Die Verweildauer gehört eher zu den zeitstabilen Metriken. Während z.B. Visits oder PageImpression insgesamt mit der Zeit stark durch bessere Auffindbarkeit in den Suchmaschinen, mehr Backlings etc. recht stark variieren (hoffentlich stark steigend), bleibt die Verweildauer besonders bei größeren Webseiten relativ konstant. Größere Schwankungen sind eigentlich nur bei Änderungen an der Website selber (neuer Content, geänderte Navigationsarchitektur) oder einer neuen Zusammensetzung des eingehenden Traffics zu erwarten. Letzteres ist meist das Resultat größerer Werbekampagnen oder des Akquirierens neuer Marketingspartner/-kanäle.
Die Verweildauer ist ein guter Indikator dafür, wie intensiv sich Nutzer mit einer Website beschäftigen. In der Regel ist eine hohe Verweildauer positiv zu werten, da sie Interesse signalisiert. Durch unnötige Zwischenseiten und aufgeblähte Texte kann die Verweildauer allerdings künstlich aufbläht werden, was die Nutzer allerdings nicht gerade motiviert und langfristig negativ sein kann.
Ob eine hohe Verweildauer gut oder schlecht ist, hängt von vielen Faktoren ab. Für eine werbefinanzierte Contentseite ist eine hohe relative Verweildauer positiv, den jeder Seitenabruf bringt Geld. Für Video- und stark AJAX-bzw. Flash-lastige Seiten sind Seitenabrufe nur schwer zu erfassen, weshalb hier eine möglichst hohe absolute Verweildauer zählt.
Für eCommerce-Seiten sieht das Bild eher gespalten aus: Zielorientierte Prozesse wie der Bestellprozess, das Ausfüllen eines Formulars oder das Abonnieren eines Newsletters sollten möglichst zügig durchgeführt werden, um ja nicht die ungeduldigeren unter den Usern zu verlieren. Explorative Prozesse wie das Stöbern und Erkunden eines Shops können ruhig etwas länger dauern, da der Kunde nur das kaufen oder weiterempfehlen kann, was er kennt.
Um die Verweildauer zu messen, gibt es im Wesentlich zwei Methoden: * Messen des zeitlichen Abstands zwischen 2 oder mehreren Seitenaufrufen oder * direktes Beobachten des Surfers, z.B. mittels auf dem PC installierter Software.
Die erste Methode ist die einfachste, wird am häufigsten verwendet und lässt sich sowohl mit einfachen Serverlogs als auch mit Tracking-Pixeln durchführen. Allerdings läßt sich mit der Methode nicht erfassen, wie lange sich ein bestimmter Besucher tatsächlich auf der Website aufgehalten hat. Zwar läßt sich sehr genau bestimmen, zu welchem Zeitpunkt der Nutzer die erste Seite abgerufen hat, nicht jedoch wann die letzte (nur die vorletzte), da das Verlassen mit keinem Serveraufruf verbunden ist.
Ab einer bestimmten Anzahl von Seitenaufrufen läßt sich ein Mittelwert bilden, um so den letzten fehlenden Wert näherungsweise zu bestimmen. Die insgesamte Durchschnittliche Verweildauer errechnet sich dann aus der Summe der einzelnen Mittelwerte und nicht der erfassten Einzelbesuche. Als noch etwas aussagekräftigergilt der Median, da er Ausreißer, wie sie z.B. von Unterbrechungen beim Surfen verursacht werden, weniger stark gewichtet.
Zur Erinnerung:
Während der Mittelwert die Summe aller Werte geteilt durch die Anzahl Werte bestimmt wird, ist der Median der Wert, der an der Grenze von der ersten zur zweiten Hälfte steht.
Bsp: 2, 3, 6, 25
-> Mittelwert = 9
-> Median = 3
Genauer als eine Logfile-Analyse ist direktes Beobachten des Nutzers. Entweder wird eine Person direkt oder mittels eines verkabelten PCs überwacht. Allerdings ist dies so aufwendig, dass i.d.R. nur Meinungsforschungsinstitute wie z.B. Nielsen//Netratings oder ComScore im Rahmen von sogenannten Panels auf dieses Vorgehen zurückgreifen. Vorteil ist, dass sich auf diese Weise auch Pausen und visit-übergreifende Nutzungsdauern erfassen lassen.